Gießener-Allgemeine, Juni 2015
(Ev. Kirche Annerod)

Collegium Canticum Dresden gibt Konzert in Annerod
Foto und Text von Saskia Elisa Sophie Nagel

Collegium Canticum Dresden in Annerod»Es ist das erste Konzert einer kleinen Abschiedstournee«, bemerkte Pfarrer a. D. Rolf Klingmann nicht ohne Wehmut.
Unter der Leitung von Dr. Klaus Holzweißig widmet sich das Collegium Canticum – 1975 als Männerstimmen-Doppelquartett von ehemaligen Sängern des Dresdner Kreuzchores gegründet – der Interpretation von Vokalmusik für Männerstimmen. In seit nun 40 Jahren nur gering wechselnder Besetzung, wohlgemerkt. Eine Besonderheit in der Aufführungspraxis des Ensembles stellt dabei die Interpretation achtstimmiger Werke in solistischer Besetzung dar.
Das Repertoire umfasst neben Musik des Mittelalters, insbesondere der Heinrich-Schütz-Zeit, Motetten der Romantik sowie moderner Kompositionen auch Madrigale, sogenannte mehrstimmige Vokalstücke – eine Gesangsform der Renaissance. Werke dieser Epoche und der Romantik in ihrer originalen Klanggestalt zu repräsentieren, wird durch die Mitwirkung von Countertenören innerhalb des CCD möglich.
Mit »Herzlich tut mich erfreuen« des englischen Komponisten Thomas Morley (1558–1602) wurde der feierliche Abend in Annerod eröffnet. Nach »Das ist je gewißlich wahr« von Heinrich Schütz und einem wunderschönen Orgelstück – Bachs »Komm, Gott, Schöpfer, Heiliger Geist« – traten die Sänger von der Empore hinab vor ihr begeistertes Publikum. Haydns »Du bist’s, dem Ruhm und Ehre gebühret« rührte zutiefst. Mit wunderbar wohlklingenden Tenören und einem unaufgeregt untermauernden Bass kam die Akustik der Saalkirche klar akzentuiert zum Ausdruck. Ein sauberer A-cappella-Klang schwirrte durch den Raum. Erheiternd wirkten »Die Minnesänger« von Robert Schumann mit Heinrich Heines Text. »Zu dem Wettgesange schreiten Minnesänger jetzt herbei. Ei, das gibt ein seltsam Streiten, ein gar seltsames Turnei« rief vereinzelt erheiterte Resonanz hervor. Franz Biebls »Jubilate – Alleluja« unterstrich den festlichen Charakter des Abschiedskonzerts einmal mehr. Das Spiritual »Somebody is knocking« ließ das Ende einer wundervollen Performance erahnen.
Am Sonntag durfte sich die Gemeinde Annerod über einen erneuten Besuch des Collegiums im Zuge des Gottesdienstes freuen. Am Nachmittag traten die Dresdner Sänger auch in der evangelischen Kirche von Burkhardsfelden auf. Zwar entließ die Gemeinde ihre Künstler nicht wie von Klingmann gewünscht »ganz bedächtig«, sondern mit anerkennendem Applaus – das gesungene »Vaterunser« nach Rudolf Mauersberger vor dem Segen war aber auch zu schön. Eine zauberhafte Intonation mit überragendem Tenorsolo. Chapeau!

General-Anzeiger Bonn, Oktober 2013
(Kreuzkirche Bonn)

Auf der Suche nach der Zukunft, Collegium canticum Dresden im Konzert
von Fritz Herzog
Es rekrutiert sich aus den Männerstimmen des altehrwürdigen Dresdner Kreuzchors und besteht seit 1975: Das Doppelquartett „Collegium canticum Dresden“, um zwei auf insgesamt zehn Stimmen verstärkt, widmet sich A-cappella-Literatur vom 16. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Aufsehen erregten die Herren aus Sachsen mit ihrer CD mit Kompositionen des Winnetou-Erfinders Karl May, die jener in seinen Zuchthaus-Jahren verfertigte und die die tragikomische Existenz ihres Urhebers auch musikalisch bezeugen.
Zur „Musik in der Kreuzkirche“ allerdings ging’s alles andere als trivial zu: Unter dem Motto „Das Zukünftige suchen wir“ gab es Altes von di Lasso, Schütz, Schein, Buxtehude und Friedemann Bach, Romantisches von Mendelssohn-Bartholdy und Modernes von Mauersberger, Franz Biebl und von Klaus Holzweißig, Leiter des vokalen Collegiums. Dessen „Engelsgesang“ bezieht Spannung aus dem Kontrast von sphärisch intoniertem Ensemble-Refrain und rustikal wirkenden Solo-Shoutings. Und bei Bachs „Selig sind, die Gottes Wort hören“ werden die „S“-Anlaute gesäuselt.
Grundsätzlich aber wird makellos und tonschön – bis ins Falsett – gesungen, die Mehrstimmigkeit brillant abgebildet und auch komplexere, moderne Strukturen bleiben stets klar disponiert. Als abschließende Schmankerln gab’s ein swingendes „Stormy Weather“ sowie einen Ausflug in Spiritual. Stefan Horz hatte zwischendurch mit einem klangfarbenreich disponierten Orgel-Intermezzo für eine kurze Atempause beim Dresdner Collegium gesorgt.

Wedel-Schulauer, Pinneberger, Quickborner Tageblatt, Juli 2012
(Rolandkirche Wedel)

Sänger intonieren mit Bravour
von Thomas Krohn
Dass der Erfinder von Winnetou und Old Shatterhand nicht nur Abenteuerromane schrieb, sondern sich auch als Komponist betätigte, dürfte nur wenigen Liebhabern der Erzählungen über den Apachenhäuptling und seinen Blutsbruder bekannt sein. Karl May, gebürtiger Sachse, hat im Gefängnis von Waldheim vier- bis achtstimmige Männerchorwerke verfasst. Diese und andere Informationen erhielten die knapp 100 Besucher der Rolandkirche während des Konzerts des "Collegium Canticum Dresden".
"Ich hebe meine Augen auf" lautete der Titel des Programms, das das neunköpfige Gesangsensemble unter der Leitung von Klaus Holzweißig am Wochenende in dem Gotteshaus in Wedels Altstadt präsentierte. Die Sänger aus Sachsen, ehemalige Mitglieder des Dresdner Kreuzchors, gründeten die Gruppe 1975 und sind seitdem in gering wechselnder Besetzung zusammen. Ihr Schwerpunkt gilt der Kirchenmusik. Auslandsreisen führten in die Schweiz, nach Österreich und Italien.
Gleich zu Beginn des Konzerts in der Rolandkirche wurde deutlich: Hier sind Könner am Werk. Einfühlsam und mit viel Verstand für die Nuancen der Kompositionen intonierte der Chor Sätze unter anderem von Samuel Scheidt, Felix Mendelssohn-Bartholdy, Johann Sebastian Bach und eben von Karl May.
Zwischendurch erfuhren die Zuhörer Wissenswertes über die Komponisten, etwa, dass Heinrich Schütz (Anm. CCD: Rudolf Mauersberger) mehr als 40 Jahre das Amt des Kreuzkantors in Dresden ausübte und damit als der am längsten gediente Kirchenmusikleiter in der sächsischen Hauptstadt gilt. Insgesamt war es ein abwechslungsreiches Konzert, für das sich die aufmerksamen Zuhörer am Ende mit viel Beifall bedankten.